Mir

Russischer Großangriff auf Kiew fordert mindestens 13 Tote

Bei einem erneuten russischen Großangriff auf Kiew sind mindestens 13 Menschen getötet und rund 60 weitere verletzt worden. Die ukrainische Hauptstadt wurde stundenlang beschossen, mehrere Gebäude wurden zerstört.

5 min read24 views
Russischer Großangriff auf Kiew fordert mindestens 13 Tote
Ukraine-Krieg - Neuer russischer Großangriff auf Kiew - mindestens 13 Tote

Russland hat in der vergangenen Nacht einen massiven Luftangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew geflogen, bei dem nach Angaben ukrainischer Behörden mindestens 13 Menschen getötet und rund 60 weitere verletzt wurden. Der stundenlange Beschuss traf mehrere Stadtteile und richtete erhebliche Zerstörungen an. Bürgermeister Vitali Klitschko bestätigte, dass die Opfer aus den Trümmern geborgen wurden, und sprach von einem der schwersten Angriffe der letzten Wochen.

Die Angriffswelle begann am Abend und setzte sich bis in die frühen Morgenstunden fort. Nach ersten Einschlägen wurde erneut Luftalarm ausgelöst, als knapp ein Dutzend russischer Bomber in der Luft gesichtet wurden. Reporter des Portals «The Kyiv Independent» berichteten von «unglaublich lauten Explosionen», die selbst in tief gelegenen Luftschutzbunkern deutlich zu hören gewesen seien. Mehrstöckige Gebäude, darunter ein Hotel, seien in Flammen aufgegangen, und Wohnhäuser wurden komplett zerstört.

Neben Kiew wurden auch andere ukrainische Städte wie Saporischschja, Pawlohrad, Sumy und Charkiw Ziel russischer Angriffe. In diesen Regionen gab es ebenfalls Luftalarm und Explosionen, über mögliche Opfer oder Schäden lagen zunächst keine detaillierten Informationen vor. Die ukrainische Luftverteidigung war im Einsatz, um die anfliegenden Raketen und Marschflugkörper abzufangen, doch die schiere Menge der Geschosse überforderte die Abwehrsysteme teilweise.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kündigte als Reaktion auf die jüngste Angriffswelle neue Sanktionsvorschläge gegen Russland an. «Heute werde ich als Reaktion auf die Angriffe vorschlagen, weitere Einrichtungen und Unternehmen zu sanktionieren, die den russischen militärisch-industriellen Komplex unterstützen», erklärte sie. Kallas betonte, dass Verurteilungen allein die Angriffe auf Kiew nicht stoppen würden. «Nur eine anhaltende militärische Unterstützung der Ukraine und ein erhöhter Druck auf Moskau können das erreichen», fügte sie hinzu. Details zu den neuen Sanktionen nannte sie zunächst nicht.

Parallel zu den Angriffen auf Kiew setzte die Ukraine ihre eigenen Offensivoperationen gegen russische Ziele fort. Ein ukrainischer Drohnenangriff traf eine Raffinerie in der Wolgaregion Nischni Nowgorod, die zum Ölkonzern Lukoil gehört. Regionalgouverneur Gleb Nikitin bestätigte indirekt den Angriff, als er von «unbedeutenden Schäden an einem Industrieobjekt und an mehreren Wohnhäusern» durch herabfallende Drohnentrümmer schrieb. Nach seinen Angaben kam dabei ein Mensch ums Leben, vier weitere wurden verletzt. Die Raffinerie in Kstowo, etwa 30 Kilometer südöstlich von Nischni Nowgorod, ist eine der größten in Russland und wurde bereits mehrfach von der Ukraine attackiert.

Die Ukraine hat in den vergangenen Monaten ihre Angriffe auf Ziele tief im russischen Hinterland verstärkt, wobei die Energieinfrastruktur im Fokus steht. Diese Strategie hat bereits zu Treibstoffengpässen in Russland geführt, sodass der drittgrößte Ölproduzent der Welt gezwungen war, Benzin zu importieren. Die jüngsten Angriffe auf die Raffinerie in Nischni Nowgorod sind Teil dieser gezielten Kampagne, die darauf abzielt, die russische Kriegsmaschinerie zu schwächen.

US-Kriegsexperten des Center for Strategic and International Studies (CSIS) zufolge haben die ukrainischen Verteidiger im Abwehrkampf gegen Russland zuletzt bemerkenswerte Erfolge erzielt. Die russische Armee leide nicht nur unter einer stockenden Bodenoffensive, sondern auch unter zunehmenden Gefallenenzahlen in den eigenen Reihen. Die ukrainische Drohnenstrategie zeige Wirkung und treibe die Verluste des Gegners stark in die Höhe.

Der Angriff auf Kiew und die gleichzeitigen ukrainischen Gegenangriffe unterstreichen die anhaltende Intensität des Krieges, der sich nach fast drei Jahren weiterhin auf einem hohen Eskalationsniveau bewegt. Die Zivilbevölkerung in der ukrainischen Hauptstadt leidet besonders unter den nächtlichen Angriffen, die immer wieder zu Stromausfällen und Versorgungsengpässen führen. Die internationale Gemeinschaft steht vor der Herausforderung, die Ukraine weiterhin zu unterstützen, ohne eine direkte Konfrontation mit Russland zu riskieren.

More from Mir